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Die Arbeit als juristischer Sachbearbeiter

Erfahrungsbericht von Sinan

Auf den Beruf des juristischen Sachbearbeiters bin ich zum ersten Mal gestoßen, als ich nach meinem Referendariat zahlreiche Stellenanzeigen durchforstet habe. Gesucht wurde hier insbesondere von großen Versicherungskonzernen. Besonders in Berührung damit gekommen bin ich während meiner anwaltlichen Tätigkeit. Im Rahmen der Abwicklung von Verkehrsunfallregulierungen habe ich auf der Gegenseite stets mit juristischen Sachbearbeitern zu tun. Hier will ich überblickartig vorstellen, welche Tätigkeiten von einem Sachbearbeiter (hier speziell bei einer Versicherung) erledigt werden.

Juristische Sachbearbeitung bei einer Versicherung

Auch wenn der Begriff „Sachbearbeiter“ auf den ersten Blick nicht darauf schließen lässt: Auch diese sind zumeist studierte Juristen (entweder mit einem oder mit zwei Staatsexamen). Größtenteils arbeiten sie in großen Schadensabteilungen von Versicherungsunternehmen. Wie ihr euch sicherlich denken könnt, ist das ein immens großer Markt in Deutschland. Denn: in vielen Bereichen gilt eine gesetzliche Versicherungspflicht. Beispielhaft sei etwa die Kfz-Haftpflichtversicherung genannt. Jeder, der ein Auto fährt, muss auch eine Haftpflichtversicherung abschließen. Daneben gibt es dann noch die zahlreichen zusätzlichen Versicherungen, die Millionen von Bundesbürger haben (Privathaftpflicht, Hausratversicherung, Unfallversicherung, Rechtsschutzversicherung etc.).

Diese Versicherungsunternehmen setzen jährlich Millionen von Euro um. Dies erreichen sie in der Regel auch nur, da sie gut geschultes Personal führen, das in jedem Einzelfall prüft, ob ein sogenannter Versicherungsfall vorliegt.

Da wären wir auch schon beim Thema: Wie sieht sie nun aus, die Arbeit eines juristischen Sachbearbeiters?

Wie eingangs erwähnt, arbeiten juristische Sachbearbeiter in einem Unternehmen und hier speziell in einem Versicherungsunternehmen (ausnehmen will ich in diesem Beitrag die Sachbearbeiter in der öffentlichen Verwaltung).

Sie arbeiten also als Festangestellte. Den größten Teil der Arbeit macht die juristische Prüfung von Versicherungsfällen aus. Einfach ausgedrückt: Es wird geprüft, ob die Versicherung Geld auszahlen muss.

Je besser die Mitarbeiter geschult sind, desto mehr sparen Versicherungen natürlich ein. Daher sind auch diese immer wieder auf der Suche nach Juristen. Diese prüfen dann, welche Voraussetzungen (je nach Versicherungsvertrag) vorliegen müssen, um eine Einstandspflicht zu begründen. Da das Versicherungsrecht eine Spezialmaterie darstellt, gilt auch hier:

Wer besonderes Interesse am Versicherungsrecht hat, kommt hier voll auf seine Kosten.

Neben der gutachterlichen Prüfung übernimmt man als Sachbearbeiter auch jegliche Korrespondenz mit Rechtsanwälten und Versicherungsnehmern. Da hier der Ablauf zumeist immer ähnlich ist, entwickelt sich zudem eine immense Routine, die die Arbeit mit der Zeit erheblich erleichtern kann.

Da man als Sachbearbeiter selbst juristisches Wissen mitbringt, muss man in der Lage sein, sich auch argumentativ mit Rechtsanwälten auseinanderzusetzen. Diese vertreten nur die Interessen ihrer Mandanten. Der Sachbearbeiter hingegen in erster Linie die Interessen seines Arbeitgebers. Die Praxis zeigt immer wieder, dass Versicherungen nur zögerlich einer Einstandspflicht nachkommen. Dies will ich in einem Beispiel aus der Praxis verdeutlichen.

Aufgaben des Sachbearbeiters

Platt ausgedrückt macht eine Versicherung immer dann mehr Umsatz, je weniger Geld sie ausschütten muss.

Der häufigste Fall dürfte die Regulierung eines Verkehrsunfalls darstellen. Hier ist zumeist die gegnerische Haftpflichtversicherung einstandspflichtig, wenn deren Versicherungsnehmer den Unfall allein schuldhaft verursacht hat.

Bei Pkw-Unfällen kommt es häufig vor, dass der Geschädigte seine Reparaturkosten fiktiv auf Gutachtenbasis abrechnen möchte. Hier wird von einem privat beauftragten Gutachter dann eine Summe X festgestellt.

Sachbearbeiter von Kfz-Versicherungen prüfen diese Gutachten dann und kürzen in gefühlt 99 % der Fälle zahlreiche Posten. Dabei gehen sie häufig systematisch vor und kürzen oftmals Posten, die in der Rechtsprechung umstritten sind (Beispiel: UPE-Aufschläge bei Ersatzteilen). Um nicht zu sehr ins Verkehrsrecht abzudriften, möchte ich daher nur auf den Umstand aufmerksam machen, dass auch juristische Sachbearbeiter regelmäßig mit aktueller Rechtsprechung zu tun haben und in ihrem Bereich daher genau solch ein Wissen vorweisen müssen, wie die Rechtsanwälte.

Hier entwickeln sich dann häufig noch mehrere Schriftwechsel oder Telefonate. Am Ende landen solche Fälle dann auch mal vor Gericht. Ab diesem Zeitpunkt ist die Arbeit des Sachbearbeiters jedoch zumeist erledigt. Die gerichtliche Vertretung dürfen sie nämlich nicht übernehmen. Dies machen dann ausgewählte Rechtsanwälte der jeweiligen Versicherung.

Verdienen tut man als Sachbearbeiter erstaunlich gut. Ich kenne viele Freunde, die ihren Platz in einem großen Versicherungskonzern in einem Ballungsgebiet gefunden haben. Diese verdienen genauso gut, bzw. sogar teilweise besser als mancher Junganwalt in einer kleinen Sozietät. Auch sollte nicht unberücksichtigt bleiben, dass man als Sachbearbeiter nicht derselben Arbeitsbelastung ausgesetzt ist, wie als Rechtsanwalt. Viele arbeiten in Gleitzeit und auch Überstunden sind bei einer 38-Stunden-Woche eher die Ausnahme. Dies kann ich jedenfalls den Erfahrungen meiner Kollegen entnehmen. Im Gegenzug können sich auch Juristen mit „nur“ einem ausreichenden Examen gute Chancen ausrechnen, einen Job in diesem Tätigkeitsfeld zu bekommen.

Fazit

Auch als juristischer Sachbearbeiter kann man sein juristisches Talent voll unter Beweis stellen. Wer sich nach einem sicheren Job in der freien Wirtschaft sehnt, jedoch nicht mit überdurchschnittlichen Examensnoten glänzen kann, der könnte hier sein Glück finden. Zwar wird man keine gerichtlichen Termine wahrnehmen können, allerdings wird man sich auch hier argumentativ und juristisch mit Anwälten auseinandersetzen müssen. Wer nicht in einen klassischen Anwaltsberuf gehen will, aber trotzdem nicht gänzlich auf die Juristerei verzichten möchte, der sollte sich die Versicherungsbranche definitv einmal genauer anschauen. Hier eignet sich der Job als juristischer Sachbearbeiter gerade für diejenigen, die großen Wert auf eine Work-Life-Balance legen.

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