Nicolas_Henning_Bräuer_BITKOM

Nicolas Henning Bräuer über seine Tätigkeit als Referent Intellectual Property & Digital Content bei Bitkom

Als Referent bei Bitkom –  die Tätigkeitsfelder Intellectual Property & Digital Content

In diesem Interview mit Herrn Nicolas Henning Bräuer, Referent Intellectual Property & Digital Content geht es um seine Tätigkeit bei Bitkom. Du erfährst u.a. was ihn dazu bewogen hat, den Anwaltsberuf als solchen niederzulegen und als Referent in einem Unternehmen einzusteigen. Welche Aufgaben hat ein Referent bei einem Unternehmen wie Bitkom? Und wie unterscheidet sich die Tätigkeit von der eines „klassischen“ Rechtsanwalts? Worum geht es bei den Tätigkeitsfeldern Intellectual Property & Digital Content genau? Sämtliche Fragen und mehr werden hier beantwortet.

Zur Person

Nicolas Henning Bräuer ist Referent für Intellectual Property & Digital Content und Syndikusrechtsanwalt im Bitkom. Nach dem Studium an der Uni Freiburg mit dem Schwerpunkt auf Urheber- und Medienrecht hat er bei der Degeto Film GmbH, einer Tochtergesellschaft der ARD, als Referent der Geschäftsführung gearbeitet. Im Anschluss hat Herr Bräuer am Landgericht Frankfurt am Main das Referendariat absolviert und sein Zweites Staatsexamen abgelegt. Seit März 2021 ist er als Rechtsanwalt zugelassen. Nach einer kurzen Zeit in einer Kanzlei für Presse- und Medienrecht ist Herr Bräuer zum Bitkom gewechselt.

Zum Unternehmen

Bitkom ist DER Digitalverband in Deutschland und vertritt mehr als 2.700 Unternehmen der digitalen Wirtschaft, davon gut 2.000 Direktmitglieder. Bitkom fördert und treibt die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft voran und setzt sich für eine breite gesellschaftliche Teilhabe an den digitalen Entwicklungen ein. Ziel ist es, Deutschland zu einem weltweit führenden Digitalstandort zu machen. Der Verband hat ca. 120 Mitarbeitende und sitzt in Berlin. Mit seinen ca. 100 Arbeitskreisen zu verschiedenen Fachthemen der Digitalisierung begleitet der Bitkom die relevanten Gesetzgebungsverfahren auf europäischer nationaler Ebene. Bitkom vertritt die Interessen der Digitalwirtschaft gegenüber der Politik. Zudem bietet der Bitkom seinen Mitgliedern auch ein breites Portfolio an Veranstaltungen zur Fortbildung, Wissensaustausch und Networking an.

Das Interview

Klingenberg: Sehr geehrter Herr Bräuer, vielen Dank zunächst, dass Sie sich zu diesem Interview bereit erklärt haben. Es soll um Ihre Tätigkeit als Referent bei Bitkom gehen.

Sie waren zuvor als Rechtsanwalt tätig. Was hat Sie dazu bewogen, den Anwaltsberuf als solchen niederzulegen und als Referent in einem Unternehmen einzusteigen?

Herr Bräuer: Der Beruf als Referent im Digitalverband ist sehr vielseitig und abwechslungsreich. Neben klassisch juristischen Tätigkeiten, wie dem Aushandeln und Gestalten von Verträgen, der Beratung bei Rechtsfragen und der Begleitung von Schiedsstellen- oder Gerichtsverfahren, ist die politische Interessenvertretung eine Kernaufgabe. Hierbei sind ein großes Interesse am politischen Geschehen, ein Grundverständnis der politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge und – ganz wesentlich – gewisse Softskills der eigenen Person sehr gefordert. Ich mag es gern mich mit Menschen zu vernetzen und mich am politischen Prozess zu beteiligen. Ich würde mich als kommunikativ, offen und politisch interessiert bezeichnen. Ich trete gern vor Gruppen auf und würde behaupten, zu vielen Menschen schnell ein gutes Verhältnis aufbauen zu können.

Nach dem Berufsstart in der Kanzlei habe ich an einem gewissen Punkt gespürt, dass ich meine persönlichen Kernkompetenzen in Form eines Presseanwalts nicht voll ausschöpfen konnte. Vor allem die kommunikativen Elemente kamen für mich dort zu kurz. Die Tätigkeit als Referent für Intellectual Property im Bitkom erfüllt hingegen genau meine Wunschvorstellungen an Themen, Arbeitsplatzkultur, Work-Life-Balance und Flexibilität bei der Arbeit. Ich kann hier die Kompetenzen anwenden, von denen ich glaube, sie zu besitzen.

Klingenberg: Welche Aufgaben hat ein Referent bei einem Unternehmen wie Bitkom und wie sieht Ihr typischer Tagesablauf konkret aus?

Herr Bräuer: Mein Tag besteht meist aus Video-Calls oder Treffen mit Kolleginnen und Kollegen, Mitgliedsunternehmen, anderen Verbänden und Politikerinnen und Politikern. Bitkom ist gerade kein klassisches Unternehmen, das auf den Absatz von Produkten und Dienstleistungen ausgerichtet ist, sondern ein Interessenverband. Wir möchten den Digitalstandort Deutschland stärken und stehen deshalb viel im Austausch mit Politik, Presse, Öffentlichkeit und natürlich unseren Mitgliedern. Ich leite zurzeit drei Arbeitskreise zu bestimmten Fachthemen, einer davon heißt „Intellectual Property“. Expertinnen und Experten aus der gesamten Branche arbeiten hier gemeinsam an Stellungnahmen und Konsultationen zu Gesetzgebungsverfahren auf deutscher und europäischer Ebene, tauschen sich zu aktuellen Fragestellungen der Branche aus und organisieren verschiedene Veranstaltungen. Regelmäßig finden Jour Fixe Calls mit den Vorständen der Arbeitskreise und in größeren Abständen Arbeitskreissitzungen mit allen Mitgliedern statt. Daneben gibt es kleine Arbeitsgruppen, in denen wir für und mit unseren Mitgliedsunternehmen Verträge u.a. mit Verwertungsgesellschaften aushandeln, die für die gesamte Branche Bedeutung haben. Zurzeit z.B. im Bereich Video-Streaming und Music-Streaming. Diese Calls mit den Juristinnen und Juristen der international tätigen Unternehmen finden meist auf Englisch statt und bedürfen einiges an Vor- und Nachbereitung.

Mittags gehen wir meistens als Team zusammen essen oder ich treffe Politiker:innen zum Lunch. Dabei kann es um digitalpolitische Themen oder auch nur um Kontaktpflege gehen. Hin und wieder trete ich als Referent auf Paneldiskussionen auf, gebe Interviews in der Presse oder moderiere Veranstaltungen. Seitdem die Corona-Regelungen gelockert wurden, finden auch wieder mehr Abendtermine statt, bei denen man sein Netzwerk gut ausbauen und sich fachlich weiterbilden kann.

Klingenberg: Wie unterscheidet sich die Tätigkeit eines Referenten von der eines „klassischen“ Rechtsanwalts?

Herr Bräuer: Gegenüber dem reinen Anwaltsberuf, so wie ich ihn für kurze Zeit als Presserechtsanwalt erlebt habe, sind die Aufgaben als Referent im Bitkom abwechslungsreicher. Als Anwalt habe ich den Großteil meiner Arbeitszeit mit der Arbeit an Schriftsätzen, Recherchen und Gerichtsverfahren verbracht – was ohne Frage auch sehr spannend war. Als Referent gibt es auch die Schreibarbeit mit Verträgen, politischen Stellungnahmen, Positionspapieren, Leitfäden, Einladungstexten und Protokollen. Die Palette an Aufgaben ist allerdings viel breiter. Insgesamt sind die kommunikativen Elemente stärker gefragt, wenn es um den Austausch mit Politikerinnen und Politikern oder die Moderation von Veranstaltungen geht. Das reicht von der Videokonferenz mit drei Vorstandsmitgliedern bis zum großen Juristenkongress mit 150 Teilnehmenden.

Klingenberg: Sie sind bei Bitkom für Intellectual Property & Digital Content zuständig. Möchten Sie uns kurz skizzieren, worum es in diesen beiden Tätigkeitsfeldern genau geht?

Herr Bräuer: Bei „Intellectual Property“ geht es zentral um politische Interessenvertretung im Bereich des Urheber- und Patentrechts. Hier geht es um die Begleitung von Gesetzgebungsverfahren wie dem Urheberrechts-Diensteanbieter-Gesetz (UrhDaG) oder dem Patentrechts-Modernisierungs-Gesetz (PatMoG). Zudem informieren wir unsere Mitglieder regelmäßig über aktuelle Rechtsprechung im „grünen Bereich“ sowie andere neue Entwicklungen und ermöglichen einen Austausch darüber.

Zu „Digital Content“ gehören vor allem lizenzrechtliche Themen. Als Verband kann der Bitkom nach dem Verwertungsgesellschaftengesetz (VGG) sogenannte „Gesamtverträge“ abschließen. Das ist eine Art Rahmen-Tarif-Vertrag mit einer Verwertungsgesellschaft (z.B. der GEMA). Darin werden die Vergütungssätze für Musiklizenzierungen beim Online Streaming festgelegt. Als Verband unterstützen wir damit den Prozess zwischen Streaming-Diensten und Verwertungsgesellschaften, indem wir die Verhandlungen koordinieren und Musterverträge für die Lizenzierung bereitstellen oder falls notwendig (Gerichts-)Verfahren gegen Verwertungsgesellschaften führen. Da hierdurch die Vertragsabwicklung erheblich erleichtert wird, bekommen unsere Mitglieder einen Rabatt auf die Tarife der Verwertungsgesellschaft.

Klingenberg: Welche Rechtsfrage ist Ihnen im Rahmen von Intellectual Property & Digital Content besonders im Gedächtnis geblieben? Warum?

Herr Bräuer: Die letzte Reform des Urheberrechts war besonders eindrücklich, weil die Debatte um Art. 17 der EU-Urheberrechtsrichtlinie in der breiten Bevölkerung wegen der Uploadfilter kontrovers diskutiert wurde. Noch immer beschäftigt uns die Frage, ob der Einsatz von Uploadfiltern in der Praxis zu einem Overblocking und damit einer Beschränkung der Meinungsfreiheit im Internet führt.

Klingenberg: Ihrer Einschätzung nach, welche Qualifikationen sollte ein:e Referent:in neben den juristischen Skills mitbringen?

Herr Bräuer: Kommunikative Skills sind als Referent:in extrem wichtig. Sowohl im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen, Mitgliedsunternehmen, Politikerinnen und Politikern, der Presse oder bei Veranstaltungen. Ein gutes Netzwerk ist auch sehr wichtig. Wenn man schon durch frühere Tätigkeiten oder politisches Engagement gut in Politik und/oder Wirtschaft vernetzt ist, kann einem das bei der täglichen Arbeit im Verband helfen. Man bekommt aber auch durch die Arbeit im Bitkom ständig neue Kontakte, sodass ein bestehendes Netzwerk kein Muss ist. Man sollte in jedem Fall Freude am Networking und eine gewisse Fähigkeit mitbringen, zwischen unterschiedlichen Positionen vermitteln zu können.

Klingenberg: Vielen Dank für diese Einblicke. Ich bin mir sicher, Sie konnten das Interesse einiger unserer Leser:innen wecken. In diesem Zusammenhang, nimmt Bitkom eigentlich Referendarinnen und Referendare zur Ausbildung an?

Herr Bräuer: Wir nehmen sehr gerne Referendarinnen und Referendare an! Die Förderung von jungen Talenten ist uns sehr wichtig. Ich durfte schon mehrere Referendarinnen und Referendare betreuen und freue mich, wenn ich sie von den Themen und unserem Team-Spirit begeistern kann. Bewerbungen nehmen wir jederzeit gerne auf der Jobs-Seite des Bitkom an.

Klingenberg: Möchten Sie unserer Leserschaft das Interview abschließend noch etwas mit auf deren Weg geben?

Herr Bräuer: Traut euch über den Tellerrand von Kanzleien & co. hinauszuschauen. Wenn ihr Interesse an Politik habt, ihr kommunikativ seid und nicht 80 Stunden pro Woche in einer Kanzlei verbringen wollt, schaut euch den Job als Jurist:in im Verband genauer an!

Vielen Dank für das Interview.


Nicolas Henning Bräuer
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Nicolas Henning Bräuer

Syndikusrechtsanwalt

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Als Referent bei Bitkom -  die Tätigkeitsfelder Intellectual Property & Digital Content

In diesem Interview mit Herrn Nicolas Henning Bräuer, Referent Intellectual Property & Digital Content geht es um seine Tätigkeit bei Bitkom. Du erfährst u.a. was ihn dazu bewogen hat, den Anwaltsberuf als solchen niederzulegen und als Referent in einem Unternehmen einzusteigen. Welche Aufgaben hat ein Referent bei einem Unternehmen wie Bitkom? Und wie unterscheidet sich die Tätigkeit von der eines „klassischen“ Rechtsanwalts? Worum geht es bei den Tätigkeitsfeldern Intellectual Property & Digital Content genau? Sämtliche Fragen und mehr werden hier beantwortet.

Zur Person

Nicolas Henning Bräuer ist Referent für Intellectual Property & Digital Content und Syndikusrechtsanwalt im Bitkom. Nach dem Studium an der Uni Freiburg mit dem Schwerpunkt auf Urheber- und Medienrecht hat er bei der Degeto Film GmbH, einer Tochtergesellschaft der ARD, als Referent der Geschäftsführung gearbeitet. Im Anschluss hat Herr Bräuer am Landgericht Frankfurt am Main das Referendariat absolviert und sein Zweites Staatsexamen abgelegt. Seit März 2021 ist er als Rechtsanwalt zugelassen. Nach einer kurzen Zeit in einer Kanzlei für Presse- und Medienrecht ist Herr Bräuer zum Bitkom gewechselt.

Zum Unternehmen

Bitkom ist DER Digitalverband in Deutschland und vertritt mehr als 2.700 Unternehmen der digitalen Wirtschaft, davon gut 2.000 Direktmitglieder. Bitkom fördert und treibt die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft voran und setzt sich für eine breite gesellschaftliche Teilhabe an den digitalen Entwicklungen ein. Ziel ist es, Deutschland zu einem weltweit führenden Digitalstandort zu machen. Der Verband hat ca. 120 Mitarbeitende und sitzt in Berlin. Mit seinen ca. 100 Arbeitskreisen zu verschiedenen Fachthemen der Digitalisierung begleitet der Bitkom die relevanten Gesetzgebungsverfahren auf europäischer nationaler Ebene. Bitkom vertritt die Interessen der Digitalwirtschaft gegenüber der Politik. Zudem bietet der Bitkom seinen Mitgliedern auch ein breites Portfolio an Veranstaltungen zur Fortbildung, Wissensaustausch und Networking an.

Das Interview

Klingenberg: Sehr geehrter Herr Bräuer, vielen Dank zunächst, dass Sie sich zu diesem Interview bereit erklärt haben. Es soll um Ihre Tätigkeit als Referent bei Bitkom gehen. Sie waren zuvor als Rechtsanwalt tätig. Was hat Sie dazu bewogen, den Anwaltsberuf als solchen niederzulegen und als Referent in einem Unternehmen einzusteigen? Herr Bräuer: Der Beruf als Referent im Digitalverband ist sehr vielseitig und abwechslungsreich. Neben klassisch juristischen Tätigkeiten, wie dem Aushandeln und Gestalten von Verträgen, der Beratung bei Rechtsfragen und der Begleitung von Schiedsstellen- oder Gerichtsverfahren, ist die politische Interessenvertretung eine Kernaufgabe. Hierbei sind ein großes Interesse am politischen Geschehen, ein Grundverständnis der politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge und – ganz wesentlich – gewisse Softskills der eigenen Person sehr gefordert. Ich mag es gern mich mit Menschen zu vernetzen und mich am politischen Prozess zu beteiligen. Ich würde mich als kommunikativ, offen und politisch interessiert bezeichnen. Ich trete gern vor Gruppen auf und würde behaupten, zu vielen Menschen schnell ein gutes Verhältnis aufbauen zu können. Nach dem Berufsstart in der Kanzlei habe ich an einem gewissen Punkt gespürt, dass ich meine persönlichen Kernkompetenzen in Form eines Presseanwalts nicht voll ausschöpfen konnte. Vor allem die kommunikativen Elemente kamen für mich dort zu kurz. Die Tätigkeit als Referent für Intellectual Property im Bitkom erfüllt hingegen genau meine Wunschvorstellungen an Themen, Arbeitsplatzkultur, Work-Life-Balance und Flexibilität bei der Arbeit. Ich kann hier die Kompetenzen anwenden, von denen ich glaube, sie zu besitzen. Klingenberg: Welche Aufgaben hat ein Referent bei einem Unternehmen wie Bitkom und wie sieht Ihr typischer Tagesablauf konkret aus? Herr Bräuer: Mein Tag besteht meist aus Video-Calls oder Treffen mit Kolleginnen und Kollegen, Mitgliedsunternehmen, anderen Verbänden und Politikerinnen und Politikern. Bitkom ist gerade kein klassisches Unternehmen, das auf den Absatz von Produkten und Dienstleistungen ausgerichtet ist, sondern ein Interessenverband. Wir möchten den Digitalstandort Deutschland stärken und stehen deshalb viel im Austausch mit Politik, Presse, Öffentlichkeit und natürlich unseren Mitgliedern. Ich leite zurzeit drei Arbeitskreise zu bestimmten Fachthemen, einer davon heißt „Intellectual Property“. Expertinnen und Experten aus der gesamten Branche arbeiten hier gemeinsam an Stellungnahmen und Konsultationen zu Gesetzgebungsverfahren auf deutscher und europäischer Ebene, tauschen sich zu aktuellen Fragestellungen der Branche aus und organisieren verschiedene Veranstaltungen. Regelmäßig finden Jour Fixe Calls mit den Vorständen der Arbeitskreise und in größeren Abständen Arbeitskreissitzungen mit allen Mitgliedern statt. Daneben gibt es kleine Arbeitsgruppen, in denen wir für und mit unseren Mitgliedsunternehmen Verträge u.a. mit Verwertungsgesellschaften aushandeln, die für die gesamte Branche Bedeutung haben. Zurzeit z.B. im Bereich Video-Streaming und Music-Streaming. Diese Calls mit den Juristinnen und Juristen der international tätigen Unternehmen finden meist auf Englisch statt und bedürfen einiges an Vor- und Nachbereitung. Mittags gehen wir meistens als Team zusammen essen oder ich treffe Politiker:innen zum Lunch. Dabei kann es um digitalpolitische Themen oder auch nur um Kontaktpflege gehen. Hin und wieder trete ich als Referent auf Paneldiskussionen auf, gebe Interviews in der Presse oder moderiere Veranstaltungen. Seitdem die Corona-Regelungen gelockert wurden, finden auch wieder mehr Abendtermine statt, bei denen man sein Netzwerk gut ausbauen und sich fachlich weiterbilden kann. Klingenberg: Wie unterscheidet sich die Tätigkeit eines Referenten von der eines „klassischen“ Rechtsanwalts? Herr Bräuer: Gegenüber dem reinen Anwaltsberuf, so wie ich ihn für kurze Zeit als Presserechtsanwalt erlebt habe, sind die Aufgaben als Referent im Bitkom abwechslungsreicher. Als Anwalt habe ich den Großteil meiner Arbeitszeit mit der Arbeit an Schriftsätzen, Recherchen und Gerichtsverfahren verbracht – was ohne Frage auch sehr spannend war. Als Referent gibt es auch die Schreibarbeit mit Verträgen, politischen Stellungnahmen, Positionspapieren, Leitfäden, Einladungstexten und Protokollen. Die Palette an Aufgaben ist allerdings viel breiter. Insgesamt sind die kommunikativen Elemente stärker gefragt, wenn es um den Austausch mit Politikerinnen und Politikern oder die Moderation von Veranstaltungen geht. Das reicht von der Videokonferenz mit drei Vorstandsmitgliedern bis zum großen Juristenkongress mit 150 Teilnehmenden. Klingenberg: Sie sind bei Bitkom für Intellectual Property & Digital Content zuständig. Möchten Sie uns kurz skizzieren, worum es in diesen beiden Tätigkeitsfeldern genau geht? Herr Bräuer: Bei „Intellectual Property“ geht es zentral um politische Interessenvertretung im Bereich des Urheber- und Patentrechts. Hier geht es um die Begleitung von Gesetzgebungsverfahren wie dem Urheberrechts-Diensteanbieter-Gesetz (UrhDaG) oder dem Patentrechts-Modernisierungs-Gesetz (PatMoG). Zudem informieren wir unsere Mitglieder regelmäßig über aktuelle Rechtsprechung im „grünen Bereich“ sowie andere neue Entwicklungen und ermöglichen einen Austausch darüber. Zu „Digital Content“ gehören vor allem lizenzrechtliche Themen. Als Verband kann der Bitkom nach dem Verwertungsgesellschaftengesetz (VGG) sogenannte „Gesamtverträge“ abschließen. Das ist eine Art Rahmen-Tarif-Vertrag mit einer Verwertungsgesellschaft (z.B. der GEMA). Darin werden die Vergütungssätze für Musiklizenzierungen beim Online Streaming festgelegt. Als Verband unterstützen wir damit den Prozess zwischen Streaming-Diensten und Verwertungsgesellschaften, indem wir die Verhandlungen koordinieren und Musterverträge für die Lizenzierung bereitstellen oder falls notwendig (Gerichts-)Verfahren gegen Verwertungsgesellschaften führen. Da hierdurch die Vertragsabwicklung erheblich erleichtert wird, bekommen unsere Mitglieder einen Rabatt auf die Tarife der Verwertungsgesellschaft. Klingenberg: Welche Rechtsfrage ist Ihnen im Rahmen von Intellectual Property & Digital Content besonders im Gedächtnis geblieben? Warum? Herr Bräuer: Die letzte Reform des Urheberrechts war besonders eindrücklich, weil die Debatte um Art. 17 der EU-Urheberrechtsrichtlinie in der breiten Bevölkerung wegen der Uploadfilter kontrovers diskutiert wurde. Noch immer beschäftigt uns die Frage, ob der Einsatz von Uploadfiltern in der Praxis zu einem Overblocking und damit einer Beschränkung der Meinungsfreiheit im Internet führt. Klingenberg: Ihrer Einschätzung nach, welche Qualifikationen sollte ein:e Referent:in neben den juristischen Skills mitbringen? Herr Bräuer: Kommunikative Skills sind als Referent:in extrem wichtig. Sowohl im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen, Mitgliedsunternehmen, Politikerinnen und Politikern, der Presse oder bei Veranstaltungen. Ein gutes Netzwerk ist auch sehr wichtig. Wenn man schon durch frühere Tätigkeiten oder politisches Engagement gut in Politik und/oder Wirtschaft vernetzt ist, kann einem das bei der täglichen Arbeit im Verband helfen. Man bekommt aber auch durch die Arbeit im Bitkom ständig neue Kontakte, sodass ein bestehendes Netzwerk kein Muss ist. Man sollte in jedem Fall Freude am Networking und eine gewisse Fähigkeit mitbringen, zwischen unterschiedlichen Positionen vermitteln zu können. Klingenberg: Vielen Dank für diese Einblicke. Ich bin mir sicher, Sie konnten das Interesse einiger unserer Leser:innen wecken. In diesem Zusammenhang, nimmt Bitkom eigentlich Referendarinnen und Referendare zur Ausbildung an? Herr Bräuer: Wir nehmen sehr gerne Referendarinnen und Referendare an! Die Förderung von jungen Talenten ist uns sehr wichtig. Ich durfte schon mehrere Referendarinnen und Referendare betreuen und freue mich, wenn ich sie von den Themen und unserem Team-Spirit begeistern kann. Bewerbungen nehmen wir jederzeit gerne auf der Jobs-Seite des Bitkom an. Klingenberg: Möchten Sie unserer Leserschaft das Interview abschließend noch etwas mit auf deren Weg geben? Herr Bräuer: Traut euch über den Tellerrand von Kanzleien & co. hinauszuschauen. Wenn ihr Interesse an Politik habt, ihr kommunikativ seid und nicht 80 Stunden pro Woche in einer Kanzlei verbringen wollt, schaut euch den Job als Jurist:in im Verband genauer an! Vielen Dank für das Interview. 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