Karriere-Events bzw. -Messen und Netzwerktreffen gehören heute zum Pflichtprogramm für Nachwuchsjurist:innen. Doch der wahre Erfolg dieser Veranstaltungen entsteht nicht durch die Anzahl der Gespräche oder gesammelten Visitenkarten, sondern durch Wirkung und Wiedererkennung. Denn: Fachkompetenz ist selbstverständlich – entscheidend ist, wer Sie kennt, wie Sie wahrgenommen werden und wofür Sie stehen.
Personal Branding und Networking sind dabei zwei Seiten derselben Medaille: Ihr Netzwerk verschafft Ihnen Sichtbarkeit, und Ihre Marke sorgt dafür, dass Sie im Gedächtnis bleiben. Erfahren Sie in diesem Beitrag, warum Sie beides strategisch verbinden sollten, um langfristig Reputation, Vertrauen und Karrierechancen aufzubauen.
A. Drei Schritte zu mehr Sichtbarkeit: Positionierung, Personal Branding und Networking als Karrierebausteine
Im Folgenden erfahren Sie, wie Sie mit Positionierung, Personal Branding und Networking Ihre Sichtbarkeit als Nachwuchsjuristin Schritt für Schritt gezielt steigern.
1. Klarheit schaffen: Ihre Positionierung als Fundament
Bevor Sie durch Besuche von Karrieremessen Ihr Netzwerk erweitern, lohnt sich der Blick nach innen. Eine klare Positionierung ist die Basis jeder erfolgreichen Sichtbarkeit.
Fragen Sie sich:
- Wofür stehe ich fachlich und persönlich?
- Was unterscheidet mich von anderen Jurist:innen in meinem Bereich?
- Mit welchen Themen bzw. Persönlichen Stärken will ich wahrgenommen werden?
Gerade zu Beginn der Karriere fällt es Berufseinsteiger:innen schwer, sich “spitz” zu positionieren und dies im Gespräch entsprechend zu kommunizieren. Doch je klarer Ihr Profil, desto leichter fällt es anderen, Sie zu empfehlen oder Ihren bspw. mittels Promotion nachgewiesenen Expert:innenstatus wahrzunehmen.
Eine Juristin, die sagt: „Ich will an der Schnittstelle von IT- und Datenschutzrecht arbeiten und interessiere mich aufgrund meiner Promotion besonders für KI-Regulierung“, bleibt in Erinnerung – weil sie greifbar wird.
2. Sichtbarkeit mit Haltung: Die eigene Personal Brand gezielt aufbauen
Personal Branding bedeutet nicht lautes Selbstmarketing, sondern das bewusste Gestalten der eigenen Marke im beruflichen Kontext. Es geht darum, dass andere ein klares Bild davon haben, wofür Sie stehen – auch, wenn Sie nicht im Raum sind.
Tipp 1: Zeigen Sie Ihre Persönlichkeit
Denn Wissen ist kopierbar, Persönlichkeit nicht. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz gewinnt das Authentische an Wert. Wer Haltung zeigt, wird vertrauenswürdig. Sprechen Sie bspw. darüber, warum Sie ein bestimmtes Rechtsgebiet fasziniert oder welche Erfahrungen Sie beim Berufseinstieg geprägt haben.
Tipp 2: Machen Sie Erfolge sichtbar
Vor allem Juristinnen neigen dazu, gute Arbeit für selbstverständlich zu halten. Doch wer seine Ergebnisse nicht kommuniziert, bleibt unsichtbar. Sie müssen sich nicht in den Vordergrund drängen – berichten Sie sachlich und mit Fokus auf Mehrwert: „Ich habe im letzten Monat ein Mandat im Umweltrecht begleitet – ein spannendes Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit und Recht zusammenwirken.“
Tipp 3: Nutzen Sie LinkedIn als Ihre Bühne
Machen Sie auf der Plattform Ihre Expertise sichtbar – in Ihrem LinkedIn-Profil, über regelmäßige Kommentare unter Beiträgen anderer zu Ihren Themen oder persönliche Nachrichten an Multiplikator:innen, um diese über interessante Inhalte zu informieren. Machen Sie sich dabei vor allem eines bewusst: Konstanz ist wichtiger als Perfektion.
3. Networking strategisch angehen: Kontakte mit Konzept
Networking ist mehr als spontane Gespräche. Es ist ein langfristiger Prozess aus Geben, Nehmen und Dranbleiben. Mit der Folgenden erläuterten Strategie gelingt es Ihnen bei Karrieremessen, gezielt Kontakte aufzubauen, die Sie kurz- oder langfristig beruflich und persönlich weiterbringen werden.
B. Vor der Karrieremesse: Vorbereitung ist der halbe Erfolg
Eine gute Vorbereitung entscheidet darüber, ob Sie auf einer Veranstaltung bloß Informationen sammeln – oder gezielt Eindruck hinterlassen. Wer sich im Vorfeld mit Zielen, Themen und Gesprächspartner:innen beschäftigt, schafft die Grundlage für souveräne Auftritte und nachhaltige Kontakte.
Tipp 1: Bestimmen Sie das Ziele für Ihren Messebesuch
Was möchten Sie bei der Karrieremesse erreichen – ein Angebot für ein Praktikum oder eine Referendariatsstation bzw. persönliche Einblicke in den Anwaltsberuf oder in die Rechtsabteilung? Wenn Sie Ihr Ziel kennen, fällt es leichter, die passenden Gesprächspartner:innen anzusprechen und die richtigen Fragen zu stellen.
Überlegen Sie außerdem, welche Kompetenzen oder Interessen Sie selbst einbringen wollen. Wenn Sie klar formulieren, was Sie suchen und was Sie anbieten, wirken Sie souverän und zielgerichtet. So entsteht ein echter Austausch auf Augenhöhe – und zugleich hinterlassen Sie einen professionellen ersten Eindruck, der über das Messegespräch Ihrem Gegenüber hinaus im Gedächtnis bleibt.
Tipp 2: Recherchieren Sie gezielt und mit Plan
Informieren Sie sich, welche Kanzleien oder Unternehmen vor Ort sind. Folgen Sie diesen auf LinkedIn, lesen Sie aktuelle Beiträge oder Pressemitteilungen. So können Sie mit fundierten Fragen ins Gespräch einsteigen: „Ich habe gelesen, dass Ihre Kanzlei kürzlich ein Legal Tech-Team aufgebaut hat. Wie wichtig ist Innovation für Ihre juristische Arbeit?“
Bei bereits vorab für die Karrieremesse vereinbarten Bewerbungsgesprächen lohnt es sich auch, einen Blick auf die persönlichen Profile Ihrer Ansprechpartner:innen auf LinkedIn bzw. der Kanzleiwebseite zu werfen. Auf diese Weise erfahren Sie mehr über deren berufliche Schwerpunkte, Karrierewege oder Veröffentlichungen.
Im Gespräch an der passenden Stelle eingesetzt zeigen Sie so echtes Interesse und haben zugleich Anknüpfungspunkte für ein persönliches Gespräch – ein großer Pluspunkt für einen authentischen und bleibenden Eindruck.
Tipp 3: Machen Sie Ihr LinkedIn-Profil zur Visitenkarte Ihrer Marke
Ihr LinkedIn-Profil sollte bereits vor dem eigentlichen Besuch von Karrieremessen professionell aufgestellt sein. Schließlich ist es ein wichtiger Teil Ihrer digitalen Marke. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass es vor, während oder auch erst nach der Messe von den Personen, mit denen Sie vor Ort gesprochen haben, oder auch den Recruiter:innen der Kanzlei bzw. des Unternehmens bzw. anderen relevanten Personen besucht wird.
Prüfen Sie daher spätestens vor Ihrem Messebesuch, ob Ihr Profilslogan aussagekräftig und das Profilfoto aktuell ist. Ergänzen bzw. optimieren Sie die Informationen zu Ihrer Berufserfahrung oder Ausbildung.
Nutzen Sie das „Über mich“-Feld gezielt für Ihren Messeauftritt: Formulieren Sie kurz und prägnant, was Sie als Jurist:in auszeichnet, wie Sie sich Ihre weitere berufliche Entwicklung vorstellen und wie man sie erreichen kann.
Mit dieser bewussten Pflege wird Ihr LinkedIn-Profil zu einem sichtbaren Sprungbrett, das Ihnen über das einzelne Karriere-Event hinaus langfristig Türen öffnen kann. Mehr zu diesem Thema lesen Sie in diesem Beitrag.
C. Während der Karrieremesse: Präsenz zeigen und Beziehungen aufbauen
Karriere-Events leben vom persönlichen Austausch. Hier zählt nicht, wie viele Gespräche Sie führen, sondern welche Eindrücke Sie bei Ihrem Gegenüber hinterlassen.
Tipp 1: Agieren Sie proaktiv
Warten Sie nicht, bis jemand Sie anspricht. Gehen Sie auf Menschen zu – das signalisiert Selbstbewusstsein. Kleine Einstiegsfragen wie „Ich finde es beeindruckend, wie viele Kanzleien hier vertreten sind – kommen Sie jedes Jahr?“ öffnen Türen.
Nutzen Sie außerdem den LinkedIn-QR-Code, um bereits während des Gesprächs sich direkt zu vernetzen. Ein kurzer Scan reicht – und Sie bleiben in Erinnerung.
Tipp 2: Setzen Small Talk gezielt ein
Small Talk ist kein oberflächliches Geplauder, sondern der Startpunkt für Beziehungen. Studien zeigen: 80 % unserer Kommunikation besteht daraus. Nutzen Sie ihn, um Gemeinsamkeiten zu entdecken – über Herkunft, Ausbildung bzw. berufliche Stationen oder Interessen.
Nutzen Sie Small-Talk-Momente gezielt für den Einstieg ins „Eigentliche“ und damit als Mittel, um die Sympathie Ihres Gegenübers zu gewinnen, Gemeinsamkeiten zu entdecken bzw. Anknüpfungspunkte zur Fortsetzung des Austausches zu finden. Dies gelingt Ihnen, wenn Sie echtes Interesse an der anderen Person zeigen, indem Sie offene Fragen stellen und aktiv zuhören.
Weitere Tipps zum Thema „So plaudern Sie souverän – Als Berufseinsteiger:in Business Small Talk meistern…“ lesen Sie in diesem Beitrag.
Mit dieser Haltung wird Small Talk mehr als nur Plauderei – er wird zu einem strategischen Mittel, um gezielt nachhaltige Beziehungen aufzubauen.
Tipp 3: Zeigen Sie Interesse – und sich selbst:
Stellen Sie Fragen, aber sprechen Sie auch über Ihre beruflichen Ambitionen. Auf diese Weise verknüpfen Sie Interesse mit Selbstpräsentation – ohne aufdringlich zu wirken.
Schließlich will Ihr Gegenüber wissen, wer Sie sind und was Sie suchen: „Ich arbeite aktuell in der Wahlstation für eine Kanzlei mit Schwerpunkt Arbeitsrecht. Für den Berufseinstieg suche ich nach einem Kanzleiumfeld, das in diesem Bereich auch internationale Mandate betreut.“
D. Nach der Karrieremesse: Beziehungen pflegen und Wirkung verstärken
Der Messebesuch ist erst der Anfang – danach gilt es, die geknüpften Kontakte zu halten. Mit einer persönlichen Nachfassnachricht, gezielter Reflexion und kontinuierlicher Vernetzung verwandeln Sie kurze Begegnungen in nachhaltige Beziehungen und machen so aus Erstkontakten langfristig berufliche Chancen.
Tipp 1: Persönlich nachfassen
Schreiben Sie zeitnah nach dem Messebesuch – idealerweise innerhalb von 48 Stunden – eine Nachricht über LinkedIn oder per Mail, bspw. so: „Vielen Dank für das inspirierende Gespräch auf der Karrieremesse XY. Ich fand Ihren Einblick in Ihre Arbeit als im internationalen Arbeitsrecht tätige:r Anwält:in sehr spannend – ich freue mich, wenn wir in Kontakt bleiben.“
Liken und (noch besser) kommentieren Sie Beiträge Ihrer neuen Kontakte auf LinkedIn, die diese im Nachgang zur Karrieremesse veröffentlichen.
Sichtbarkeit entsteht durch wiederkehrende Berührungspunkte, was Sie von der Masse abhebt. Zugleich zeigen Sie, dass Sie Networking als wichtigen Teil Ihrer Karriere verstehen.
Tipp 2: Aus Erfahrungen lernen: So entwickeln Sie Ihr Networking weiter
Fragen Sie sich: Welche Gespräche waren besonders interessant? Welche Kontakte möchte ich vertiefen? Was lief gut und was können Sie tun, um Ihre Sichtbarkeit bis zum nächsten Mal bzw. auf der Messe selbst gezielt zu steigern?
Notieren Sie diese Gedanken – sie sind wertvoll für Ihre nächsten Messebesuch und für die Weiterentwicklung Ihrer persönlichen Networking-Strategie. Denn eines ist sicher: Networking und Personal Branding sind kein Sprint, sondern ein Marathon – einer, der sich lohnt.
Tipp 3: Beziehungen lebendig halten – mit echtem Interesse und Mehrwert
Bleiben Sie nicht nur durch Likes oder Kontaktanfragen sichtbar, sondern durch echten Austausch. Teilen Sie bspw. einen Artikel, der zum Fachgebiet Ihrer Gesprächspartner:innen passt. Wenn Sie später auf einer Veranstaltung sind, die thematisch zum Austausch passt, erwähnen Sie das in einer kurzen Nachricht („Ich musste an unser Gespräch denken – das Thema „Illegale Abfallablagerung“ wurde hier ebenfalls diskutiert.“).
So zeigen Sie, dass Sie den Kontakt nicht als einmaligen Nutzen sehen, sondern als Teil eines professionellen Netzwerks, das auf gegenseitiger Wertschätzung beruht. Das stärkt Ihre persönliche Marke und zeigt, dass Sie den Unterschied zwischen echtem Networking von bloßer Kontaktpflege verinnerlicht haben.
E. Personal Branding und Networking nachhaltig miteinander verbinden
Networking ohne Personal Branding bleibt beliebig. Personal Branding ohne Networking bleibt wirkungslos. Erst die Kombination macht Sie sichtbar, glaubwürdig und empfehlenswert.
Was Sie im Einzelfall tun können, um sich immer wieder ins Gespräch und/oder die Erinnerung zu bringen, erfahren Sie jetzt:
a) Verbinden Sie Menschen miteinander
Werden Sie zur/zum „Super-Connector:in“. Wenn Sie zwei Personen aus unterschiedlichen Kanzleien oder Bereichen kennen, die voneinander profitieren könnten – stellen Sie durch eine persönliche Vernetzung oder via LinkedIn den entsprechenden Kontakt her. So schaffen Sie Mehrwert und stärken mit der Zeit Ihre eigene Position als Knotenpunkt im Netzwerk.
b) Bringen Sie sich ein
Engagieren Sie sich einem Netzwerk, was Sie dabei unterstützt, Ihre Karriereziele zu erreichen. Werden Sie Mitglied des Deutschen Juristinnenbundes (djb), des Forums Junge Rechtsanwält:innen, des lokalen Anwaltvereins oder eines branchen-bzw. themenspezifischen Netzwerks wie bspw. die Frauen in der Immobilienwirtschaft oder Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) . Besuchen Sie deren (Netzwerk-)Veranstaltungen, übernehmen Sie eine Funktion oder halten Sie dort einen Vortrag. Das zeigt Expertise und Engagement – und macht Sie für andere sichtbar.
c) Machen Sie Ihr Thema zu Ihrem Markenzeichen
Machen Sie sich Gedanken dazu, mit welchem Rechtsgebiet oder Fach- bzw. Sachthemen andere Sie in Verbindung bringen sollen: Arbeitsrecht? Nachhaltigkeitsrecht? Datenschutz? Sprechen Sie darüber im Gespräch: „In meiner Anwaltsstation habe ich mich mit dem illegalen Abfallablagerungen beschäftigt– ein Thema, das im Arbeitsalltag von Staatsanwält:innen oft falsch bewertet wird.“ Solche Einblicke zeigen, dass Sie für ein bestimmtes Thema stehen.
Fazit: Erfolg ist planbar – mit Strategie, Haltung und Netzwerk
Karriere-Events bieten Ihnen die perfekte Bühne, um Ihre Expertise sichtbar zu machen, Beziehungen aufzubauen und Ihre Persönlichkeit zu zeigen. Doch der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Verbindung von zielfokussiertem Personal Branding und strategischen Networking.
Wer als Jurist:in weiß, wofür sie bzw. er steht, strategisch netzwerkt und sich authentisch zeigt, wird nicht übersehen – sondern über den (mitunter auch nur kurzen) Kennenlernmoment auf einer Karrieremesse hinaus erinnert, empfohlen und angefragt.
Die Anwältin Dr. Anja Schäfer ist Expertin für Networking & Female Leadership in Kanzleien und Host vom „Juristinnen machen Karriere!“- Podcast. Als Karrierementorin unterstützt sie exklusiv Jurist:innen in puncto Personal Branding, Netzwerkaufbau und Sichtbarkeit als Expert:in sowie zur strategischen Ausrichtung bei beruflicher Neu- oder Umorientierung. Über diese Themen spricht sie in ihrem „Juristinnen machen Karriere!“- Podcast sowie bei den von ihr veranstalteten Networking-Formaten, die sie deutschlandweit vor Ort sowie regelmäßig auch digital anbietet. Mehr Informationen zu ihren Events: https://anja-schaefer.eu/events.
Rechtsanwältin Dr. Anja Schäfer hat für JurCase Jobs bereits eine Vielzahl interessanter und informativer Beiträge zu den Themen Networking und Personal Branding verfasst. Diese und eine Übersicht ihrer Events findest du hier.